Clara Maria Hollomey

Clara Maria Hollomey, eine junge, selbstbewusste Frau, die sehr gezielt ihre Studienrichtung gewählt hat: Ein interdisziplinäres Studium an der TU Graz, Institut für Elektronik und Kunstuniversität, Sparte Elektronische Musik. Das Erlernte setzt sie in der Wirtschaft um. Für ihr Alter hat Frau Hollomey eine beachtliche Biographie!

68129.2WAS dürfen wir uns bei Ihrer Arbeit vorstellen?
Es geht um Beschallungskonzepte für Geschäft. Als Grundlage verwende ich eine Kundenstromanalysen, daraus entwickle ich ein Konzept, um mit der entsprechenden Musik den Kunden den Aufenthalt im Geschäft so angenehm wie möglich zu machen und in der sich auch die Produktpalette „musikalisch widerspiegelt“.

Wie ist Ihr Studium aufgeteilt zwischen Technik und Musikuniversität?
Die Aufteilung ist ca. 1:2, d.h. ein Drittel Musik und zwei Drittel Technik, am musikalischen Sektor die Elektronische Musik und am technischen vor allem Akustik und Signalverarbeitung.

Sie betreuen Laborübungen an der TU, haben Sie auch bereits in anderen Bereichen gearbeitet?
Die Laborübungen betreue ich seit 4 Jahren, davor habe ich die „Karrieremesse auf der TU“organisiert – mit 20 Jahren erstmals, damals stellten 45 Firmen aus, heute gibt es dabei 86 Aussteller. Außerdem war ich Präsidentin von IASTE – aber das ist ehrenamtlich.

IASTE? Was ist das für ein Verein?
IAESTE ist eine unpolitische internationale Organisation, die der Förderung der Völkerverständigung und des kulturellen Austausches unabhängig von Rasse, Geschlecht und Religion dient.
Die Hauptaufgabe von IAESTE besteht in der Vermittlung von studienspezifischen Praktikums- und Arbeitsstellen in über 80 Ländern. Der Verein übernimmt die Betreuung der internationalen Studenten. Außerdem dient IAESTE als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Studenten, durch die Organisation von Firmenmessen und Firmenexkursionen. Aber mehr findet sich auf der homepage: www.iaeste.at

Sie sind die Tochter einer AHS Professorin und eines Architekten und haben einen jüngeren Bruder – wurde Ihre Berufsfindung durch die Familie beeinflusst?
Ja, schon.
Als kleines Mädchen wollte ich Lehrerin werden oder Tierärztin. Mein erstes „Feuer“, für das ich „brannte“, war das Klavierspiel. Mit 15 – 16 Jahren habe ich bei einer Berufsberatung aber beschlossen, ein Technikstudium anzustreben.

Wurden Sie dabei von Ihren Eltern unterstützt?
Ja, voll und ganz! Ich musste dann am Kunstsektor eine Aufnahmeprüfung machen.

Stichwort Uni – Zugangsbeschränkung, Aufnahmetest? Wie stehen Sie dazu?
Ich denke, hier braucht es langfristige Konzepte – jenseits aller Ideologie. Bei meiner Aufnahmeprüfung hatte ich den Eindruck dass eigentlich jeder, der sich vorbereitet hat, wirklich eine Chance hatte, durchzukommen. Andererseits ist Österreich ein kleines Land – das hochwertige Bildungssystem und die entsprechend gut ausgebildeten Menschen die daraus hervorgehen sind seine wichtigste Ressource Ich selbst bin froh, meine Wunschausbildung machen zu können und wünsche mir das füür alle Menschen – ohne zusätzliche Hürden.

Ihre Mutter war immer in der Bildungs- und Frauenpolitik und in der Gewerkschaft tätig. Wurden Sie dadurch „emanzipiert sozialisiert“?
Eher ja. Während der Pubertät stand ich mit meiner Mutter in steter Kontroverse. Ich habe das Lichtenfelsgymnasium in Graz besucht und bin da mit meinem Verhalten durchaus da und dort angeeckt – meine Mutter hat mich immer wieder überzeugt, dass ich mich ein bisschen anpassen müsse.

Wie viele Frauen gibt es in Ihrem Fach auch der Uni?
Hollomey lacht und denkt nach – Ich glaube, wir sind drei Frauen in meinem Jahrgang auf der TU – und auf der Kunstuni ist es ähnlich – Komponisten sind männlich!

Olga Neuwirth ist mittlerweile eine anerkannte Komponistin. Ist sie vielleicht ein Vorbild für Sie?
Auf alle Fälle war Olga Neuwirth mit ihrem Stück „Lost highway“ 2004 der Auslöser für meine Studienentscheidung und dafür, mich für Aufführungspraxis, virtuelle Instrumente und Tontechnik im Allgemeinen zu interessieren.

EU-Kommissarin Vivian Reding hat vorkurzem wieder die Einführung von Frauenquoten gefordert. Was halten Sie von Frauenquoten und Frauenprogramme? Sehen Sie darin ein notwendiges Übel, eine abzulehnende Bevorzugung oder????
Die Quote sehe ich positiv, ohne sie wird es nicht möglich sein, Frauen in Positionen zu bringen.
Es stört mich auch nicht, wenn ich als Quotenfrau gesehen werde, denn auch das muss man erst einmal schaffen. Ich denke, dass heutzutage kaum noch jemand bewusst Frauen anders behandelt als Männer, das ist sehr positiv. Gleichzeitig wird es aber schwieriger, eventuell vorhandene wunde Punkte zu benennen und irgendwo müssen die noch immer vorhandene, eklatante Einkommensschere zwischen den Geschlechtern oder Begriffe wie „gläserne Decke“ ja herkommen.
Auf der Universität habe ich allerdings diesbezüglich bisher nur gute Erfahrungen gemacht.. Im täglichen Leben ist es schon ein bisschen schwieriger. Da muss man um die Akzeptanz und um die notwendige Souveränität schon kämpfen. Ein Beispiel: Ich war bei einem Kongress und da meinte ein Auftraggeber zu meinem Kollegen: Na, Sie können Sie doch nicht allein dalassen, wir brauchen schon einen kompetenten Ansprechpartner. Wir waren aber beide mit gleichen Kompetenzen ausgestattet!
Schwierig ist es teilweise auch gegenüber Frauen – und das kränkt mich manchmal auch. In meinem Beruf geht es nicht um Aussehen, sondern um technisches Können. Ich bin eine Frau und zeige das auch gerne. Aber ich passe mich natürlich den gegebenen beruflichen Bedingungen an – und das ist halt nicht unbedingt das typisch weiblich klischeehafte Aussehen.

Ihr Tipp für andere Frauen, für Mädchen in der Überlegungsphase?
Meiner Erfahrung nach passiert es viel zu oft, dass Frauen technische Berufswege gleich von Vornherein ausschlagen. „Das interessiert mich einfach nicht.“ ist dann häufig das Argument, sich gleich gar nicht weiter mit der Möglichkeit zu befassen. Für Mädchen würde ich sagen – überlegt euch einfach nur, ob ihr nicht vielleicht eine HTL besuchen mögt. Macht euch Gedanken darüber, ob ihr nicht einen anderen Weg als den Humanistischen auch einschlagen könnt – denkt wenigstens darüber nach!
Es stimmt nicht, dass wir Mädels keinen Bezug zur Technik haben – wir greifen nur (im Labor z.B.) weniger oft hin und damit glauben wir dann, wir könnten es nicht.
Hollomey wird immer lebhafter: Ich mag mein Studium sehr -auch wenn die Umstellung vom neusprachlich orientierten Gymnasium schwierig gewesen ist- anfänglich war da wohl mehr die Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser wird, die mich hat weitermachen lassen – aber jetzt würde ich um nichts in der Welt mehr tauschen wollen.
Ich habe auch sehr viele Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland – es erweitert den eigenen Horizont ungemein, andere Kulturen kennenzulernen und optimalerweise auch selbst in einem anderen Land in neue Situationen kennen zu lernen und mit diesen zurecht kommen zu müssen..

Wie schaffen Sie sich Ausgleich zum Studium bzw. Beruf?
Ich lese gerne, spiele wieder verstärkt Klavier und versuche gerade – ich komme von der Klassik – mir den Jazz anzueignen; außerdem „bastle“ ich gerne d.h. programmiere Musik, arbeite mit Elektronik und so.

Ihr Wunsch an die Politik?

Ich fände es schön, wenn junge Frauen ohne Risiko auf Jobverlust Kinde r bekommen könnten, weil der Arbeitgeber weiß, dass auch der Vater verpflichtend in Karenz geht! Ich wünsche mir ein verändertes Gesellschaftsbild berufstätigen Müttern gegenüber.
Das Sozialjahr ist etwas, über das man über Parteigrenzen hinweg nachdenken sollte.
Ich wünsche mir optimal kompetente Politiker, die auch entsprechend bezahlt werden und die Politik gestalten und machen!

Interview: LGF Martha Franz