Modernes Bild der Justitia

Marcella Handl (36) ist seit Anfang Juni Österreichs jüngste Notarin. Sie arbeitet aktiv mit, dem Berufsstand ein zeitgemäßes Image zu geben.

68330.2Es sieht aus, als wäre Marcella Handl der Notarberuf in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater ist Notar, die Schwester ist Notariatssubstitutin. Aber die Begeisterung der Familie sei nicht groß gewesen, als sie verkündet habe, nach der Matura Jus studieren zu wollen. „Mein Vater hat gemeint, es gibt schon so viele Juristen in der Familie. Ich solle doch eher etwas mit meinen kreativen Talenten machen“, erzählt Handl. Seit Anfang Juni ist die 36-Jährige mit ihrer Kanzlei in Hartberg die jüngste Notarin Österreichs. Durchschnittlich sind heimische Notare bei ihrer Bestellung 43 Jahre alt.

Doch Handl zeigte sich immer zielstrebig. Schon, als es nach dem Studienabschluss darum ging, in den Notarberuf einzusteigen. Den Eltern wäre es lieber gewesen, ihre Tochter bei der Justiz oder als Anwältin zu sehen. Schließlich willigte ihr Vater ein, sie als Anwärterin aufzunehmen. Handl: „Ziel war für mich immer die eigene Kanzlei.“ Und das trotz der Aussicht, jahrelang warten zu müssen. Notariate werden vom Justizministerium nämlich nur nach Freiwerden einer vorhandenen Stelle nachbesetzt.
Marcella Handl begann, sich in der Notariatskammer zu engagieren. Dort war sie Vertreterin der Notariatsanwärter und ist Mitglied im sogenannten „Stratego-Team“. Es will dem früher als verstaubt geltenden Beruf ein zeitgemäßes Image geben: „Der Notar ist heutzutage ein moderner Rechtsdienstleister – und diese Vorgabe müssen wir leben.“ Ein Symbol dafür ist ein zeitgenössisches Gemälde der „Justitia“, das hinter ihrem Schreibtisch hängt.
Was ihr am Beruf gefällt? „Ich mag, dass ich mit Menschen aller Alters- und Sozialschichten zu tun habe. Ob Witwer, Generaldirektor oder junge Familie, die einen Baugrund kauft“, sagt Handl. Ausgleich bieten ihr Laufen und Golf. Die geplante Marathonteilnahme fällt allerdings aus. Statt Training stand der Aufbau der Kanzlei auf dem Zeitplan.

Quelle: Kleine Zeitung